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Pilotstudie zeigt Arbeitszeiten und Arbeitsverteilung von Lehrkräften auf

Veröffentlicht: Freitag, 26. September 2014

LehrerInnen arbeiten 50 Stunden pro Woche

LehrerInnen an deGymnasium 'Tellkampfschule' in Hannover arbeiten im Schnitt fast 50 Stunden die Woche. Zu diesem Ergebnis kommt eine Pilotstudie der Uni Göttingen, die von der GEW Niedersachsen in Auftrag gegeben und finanziert wurde.

Die Pädagogen der Tellkampfschule hatten über ein halbes Jahr minutengenau ihre beruflichen Tätigkeiten erfasst. Herausgekommen ist unter anderem, dass der Unterricht nur ein Viertel der Arbeitszeit ausmacht. Vor- und Nachbereitung, Korrekturen, Konferenzen, Funktionsarbeiten, organisatorische Tätigkeiten aber auch die Kommunikation mit Eltern und Kollegen nehmen viel mehr Zeit in Anspruch. Und seit diesem Schuljahr muss man noch eine Unterrichtsstunde mit Vor- und Nachbereitung hinzurechnen.

„Die Ergebnisse sind eindeutig“, so Laura Pooth, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW Nieder­sachsen. „Das entscheidende Maß für die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist, wie viele Stunden sie in der Woche unterrichten müssen. Die Unterrichtsverpflichtung generiert die Arbeitsbelastung. Und diese ist eindeutig zu hoch.“  Wochengesamtarbeitszeiten von 45 oder 50 Stunden seien nicht hinnehmbar.

„Die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, die dazu notwendige Verwaltungsarbeit, Koordination, Absprache und nicht zuletzt die persönliche Weiterentwicklung in fachwissenschaftlicher, didaktischer und methodischer Hinsicht sind maßgeblich für die Qualität des Unterrichts. Unterschätzt wird auch die notwendige Zeit für die pädagogische Kooperation und die Beziehungsarbeit. Daran können wir Lehre­rinnen und Lehrer keine Abstriche machen. Der Arbeitgeber muss unsere Arbeit qualitativ neu bewer­ten. Wer juristisch argumentiert, der Staat lege ja nur die Unterrichtsverpflichtung fest, wie viel Zeit und Energie die Lehrkräfte für die Vor- und Nachbereitung verwenden, sei ihr Privatproblem, damit habe der Verordnungsgeber nichts zu tun, der ignoriert die Notwendigkeit guter Arbeit in den Schulen, der miss­achtet unser Professionalitätsverständnis. Durch die von der Landesregierung beschlossene Arbeitszeit­erhöhung wird sich die Belastung noch deutlich verschärfen“, so Laura Pooth.

Die Wissenschaftler, die die Studie erarbeitet haben, betonen, dass sich ihre Pilotstudie nur auf die untersuchte Tellkampfschule beziehe. Es sei wünschenswert, die empirische Basis durch umfassendere Studien an Schulen unterschiedlicher Schulformen zu verbreitern. Laura Pooth ergänzte: „Wenn sich mehr Schulen beteiligen, sammeln wir gute Argumente, die wir im Normenkontrollverfahren vortragen können. Der Gestaltungsspielraum der Arbeitgeber, die Arbeitszeit der Lehrkräfte durch Verordnung festzusetzen, ist längst überreizt. Außer­dem stärken wir das Selbstbewusstsein der Lehrkräfte, ihre Ansprüche an gute Arbeit öffentlich und gegenüber dem Arbeitgeber  zu vertreten. Schließlich wollen wir unsere Arbeitszeit per Vertrag regeln und nicht per Verordnung.“

Die stellvertretende Landesvorsitzende verwies auf den Aktionsplan der GEW, insbesondere auf die Aktion „Warming up“ in der Woche vor den Herbstferien: „Da sollen Kolle­gien zeigen, wie sie sich für kommende Auseinandersetzungen fit halten.“

Die Ergebnisse Studie können direkt auf der Website http://www.kooperationsstelle.uni-goettingen.de/koop_2_12.html angesehen werden.

Der NDR hat in der Sendung Hallo Niedersachsen auch über die Studie berichtet. Unter folgenden Link kann man sich die Sendung anschauen.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Studie-belegt-Mehrarbeit-der-Lehrer,hallonds23654.html