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Inklusiven Ganztagsgrundschulen

Veröffentlicht: Samstag, 08. Oktober 2011

Positionspapier GEW, VBE und Grundschulverband

Die moderne Grundschule ist gekennzeichnet von demokratischen und inklusiven Strukturen. Sie öffnet sich pädagogisch der Verschiedenheit der Kinder, berücksichtigt in der Förderung die individuellen Lebenssituationen und schafft so die Voraussetzungen für den weiterführenden Schulbesuch.

Die heutige Grundschule ist geprägt von einer Umwandlung in die inklusive Ganztagsgrundschule.

Die inklusive Ganztagsgrundschule übernimmt die gesellschaftliche Verantwortung für

  • die Teilhabe aller Kinder am Grundschulunterricht
  • die Entwicklung neuer Lernkulturen
  • Ausgleich und Verringerung von sozialer Benachteiligung
  • die Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • die Teilhabe der Eltern

Um diese Verantwortung anzunehmen benötigt die Ganztagsgrundschule ein pädagogisches Konzept für die Bildung, Erziehung und Betreuung, das von einem multiprofessionellen Team gemeinsam umgesetzt wird. Die Ganztagsgrundschule bietet Kindern Zeit für gemeinsames und individuelles Lernen, für Aktivitäten und Entspannung, für Lernaufgaben und selbst gewählte Tätigkeiten. Diese Zeit fordert einen Rhythmus, der sich an den Bedürfnissen der Kinder und den jeweiligen Tätigkeiten orientiert.

Inklusive Ganztagsgrundschulen sind Schulen,

  • die allen Kindern an jedem Werktag ein unentgeltliches und durchgehend strukturiertes Angebot in der Schule bieten.
  • in denen Aktivitäten der Kinder am Vor- und am Nachmittag in einem konzeptionellen Zusammenhang stehen.
  • bei denen erweiterte Bildungsangebote, individuelle Fördermaßnahmen und übendes Lernen in die Konzeption eingebunden sind.
  • in denen die gemeinsame und individuelle Freizeitgestaltung der Kinder als Aufgabe im Konzept enthalten ist.
  • in denen alle Kinder kostenlosen Zugang zu kulturellen Angeboten haben.
  • in denen an allen Schultagen ein kostenfreies Mittagessen angeboten wird.
  • in denen eine enge Verzahnung von Jugendhilfe und Schule gewährleistet ist.
  • bei denen die Organisation aller Angebote unter Aufsicht und Verantwortung der Schule steht.

Dazu benötigen wir

  • die erforderlichen finanziellen, personellen und sächlichen Ressourcen,
  • gut ausgestattete Klassenräume und Fachräume sowie Gruppenräume für individuelle Förderung, Spiel, Rückzug und Bewegung, Küche und Mensa für das gemeinsame Mittagessen an jeder Schule
  • Arbeits- und Sozialräume für die Beschäftigten
  • pädagogisch gestaltete Innen- und Außenflächen
  • ausreichende Hygiene- und Sanitärräume
  • multiprofessionelle Teams, bestehend aus allgemein bildenden Lehrkräften, sozialpädagogischen Fachkräften und Förderschullehrkräften für jede Schule
  • konzeptionelle Schulsozialarbeit an jeder Schule
  • pädagogisch ausgebildetes Stammpersonal in sicheren Arbeitsverhältnissen. Außerschulische Kooperationen sind als Zusatzangebote zulässig.

Zu einer inklusiven Ganztagsgrundschule gehört die jahrgangsgemischte Eingangsstufe.

Die Veränderung der Schuleingangsphase wird geleitet von dem Grundgedanken einer Schule für alle Kinder, in der jedem Kind die individuell notwendige Zeit für seine Entwicklung gewährleistet wird. Die Grundlehrgänge in Lesen / Schreiben und Rechnen können in 1 bis 3 Jahren durchlaufen werden. Kinder, die die Ziele dieser Lehrgänge nicht erreichen, werden beim Aufrücken in die nächste Klassenstufe weiter gefördert, wie es ihren Entwicklungsmöglichkeiten entspricht. Die Schule baut in enger Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten auf den Erfahrungen auf, die die Kinder von dort mitbringen. Durch die Individualisierung des Unterrichts, die Vielfalt und die kooperativen Strukturen, die eine jahrgangsgemischte Lerngruppe bietet, unterstützt von multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften, werden Möglichkeiten geschaffen, jedes Kind auf der Basis seines Entwicklungsstandes sowohl in seiner Persönlichkeit als auch in seiner Lernentwicklung optimal zu fördern.

Die jahrgangsgemischte Eingangsstufe in der inklu

siven Ganztagsgrundschule

  • stellt kein Kind vom Schulbesuch zurück
  • fördert die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes
  • ermöglicht besondere individuelle Förderung für alle Kinder
  • ist anschlussfähig an die Jahrgänge 3 und 4

Dazu benötigen wir

  • die Bereitstellung von Ressourcen für individuelle Förderbedarfe
  • multiprofessionelle Teams, die für ihre gemeinsame Arbeit mit den Kindern die notwendigen Ressourcen erhalten
  • Klassengrößen von bis zu 24 Schülerinnen und Schülern
  • Anschlussfähigkeit an die folgenden Jahrgänge,
  • Lernentwicklungsberichte für alle Kinder – keine Ziffernzeugnisse
  • das automatische Aufrücken aller Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit – keine Versetzung, kein Sitzenbleiben

Die inklusive Ganztagsgrundschule ist gekennzeichnet

durch eine veränderte Schulkultur.

Die inklusive Ganztagsgrundschule erzieht ihre Schüler nach

demokratischen Grundsätzen. Die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen beinhaltet das Miteinander- und Voneinanderlernen. Dazu gehört, dass Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte Verantwortung übernehmen für das Lernen wie für den respektvollen Umgang miteinander. In dieser veränderten Schulkultur wird Inklusion erfahren und gelebt. Jedes Kind wird als Persönlichkeit angenommen und von dem Lernstand abgeholt, an dem es sich gerade befindet. Es erfährt im schulischen Alltag beim Lernprozess und seiner weiteren Persönlichkeitsentwicklung die nötige Unterstützung.

Eine solche Schulkultur ist besonders wichtig, wenn die inklusive Ganztagsgrundschule auch an „sozialen Brennpunkten“ gelingen soll. Bei der Ausstattung der Schulen müssen soziale Faktoren im Stadtteil berücksichtigt werden. Brennpunktschulen benötigen eine Verstärkung des Personals und der Mittel, um die Schule aufzuwerten und attraktiv für alle Kinder zu machen. Sie benötigen ein breites Bildungsangebot neben dem klassischen Lernkanon. Sinnstiftung, Persönlichkeitsentwicklung, kulturelle Angebote und Möglichkeiten der Selbstverantwortung und Mitverantwortung – Partizipation und Resilienz – haben hier einen besonderen Wert.

Optimierung der Schulgröße

Die Weiterentwicklung der Grundschule zur inklusiven Ganztagsgrundschule stellt hohe Anforderungen an die Qualität der pädagogischen Arbeit, die nur bei einer adäquaten Personalausstattung in multiprofessionellen Teams, die gemeinsam in einer Klasse arbeiten, und bei einer Absenkung der Klassenobergrenzen möglich ist. Ohne zusätzliche Ressourcen sind die hohen Erwartungen der Eltern an eine moderne Grundschule nicht zu erfüllen. Zugleich bedarf es aber auch einer Optimierung der Schulgröße.

Den Anforderungen einer inklusiven Ganztagsgrundsch

ule kann eine 2-zügige Schule sicherlich entsprechen. In dicht besiedelten Regionen ist eine 2- und mehrzügige Grundschule eine sinnvolle Schulgröße. Die Dauer des Schulwegs ist dort zumutbar.

Anders ist es in weniger dicht besiedelten Gebieten. Hier plädieren wir für Kompromisse in der Zügigkeit, da diese vernünftig sein können. Allerdings unter einer bedeutsamen Einschränkung: Abstriche bei den Qualitätsanforderungen darf es auch bei diesen Schulen nicht geben.

Quellen: www.bmbf.de / www.ganztagsschulen.org / www.projekt-steg.de / MK Niedersachsen „Jahrgangsgemischte Eingangsstufe“

27. September 2011

Eberhard Brandt                                Christiane Töller-Weingart                Gitta Franke-Zöllmer